Sichtbarkeit in Social Media

Freunde, Fans und Follower sammeln – ist das gut?

Wie es zu diesem Artikel kam?

Während der Corona-Krise, also einer Zeit wo nahezu alle nach Hause verbannt wurden und sehr viel Zeit im Internet und den Social Media verbringen, häufen sich die Freundschaftsanfragen – insbesondere auf Facebook.

Jetzt hat jeder so seine Routine kultiviert, wem eine Freundschaftsanfrage gesandt wird und von wem eine solche angenommen wird. Und wir alle wissen, dass der Begriff „Freunde“ in den Social Media eine gänzlich andere Bedeutung hat, als in der gelebten Realität.

Meine Routine sieht übrigens so aus: Einer Person, die ich nicht persönlich kenne, sende ich weder eine Freundschaftsanfrage, noch bestätige ich eine Anfrage von deren Seite. Ich mache hier zwar manchmal Ausnahmen – z.B. wenn gemeinsame Freunde in großer Zahl vorhanden sind oder wir im selben Netzwerk sind, bin aber sonst sehr strikt.

Was sich nämlich zeigt, ist, dass kurze Zeit nach der Bestätigung der Freundschaft eine Anfrage eintrudelt, doch die Facebook-Seite des „neuen Freundes“ mit einem „Gefällt mir“ (oder „Like“) zu schmücken. Und das ist – mit Verlaub gesagt – blanker Unsinn.

Warum diese Praxis ausgerechnet in Facebook läuft, liegt auf der Hand. Hat Facebook doch mit der Funktion „Lade Freunde ein, deine Seite mit Gefällt mir zu markieren“ dieser Unsitte Tür und Tor geöffnet. Bei Instagram oder anderen sozialen Netzwerken gibt es diesen „komischen“ Weg nicht. Zwar findet man immer Möglichkeiten, aber im Großen und Ganzen sollen einem die Fans ja folgen, weil man guten, interessanten und nützlichen Content verbreitet.

Ist das Sammeln von Freunden, Fans und Followern nun per se schlecht? Abgesehen davon, dass wir hier keine Pilze oder Panini-Sticker sammeln, sondern dass hier Menschen dahinterstehen – lassen wir einmal die Fake-Profile außen vor – muss man immer die Motivation dahinter betrachten: 

Fahre ich eine „Gut für alle“-Strategie und lade sehr viele Freunde auf ein Mal ein? Das kann mit unter auch zu einer Sperre der Seite führen, weil Facebook das als Spam interpretiert.

Lade ich einzelne Freunde sehr selektiv ein, weil sie an der Seite und deren Themen Interesse haben? Das ist – aus meiner Sicht – in Ordnung, sollte aber dennoch nicht übertrieben werden.

Ein absolutes No-Go bleibt für mich die Abfolge: Freundschaftsanfrage gefolgt von Like-Anfrage.

1. Die Anzahl an Fans ist schon lange kein Garant mehr, für die Reichweite eines Beitrages

Das hat vorwiegend mit der Entwicklung der Social Media im Allgemeinen und mit den Algorithmen der Plattformen im Speziellen zu tun. Google und Facebook sind hier die Vorreiter und viele Plattformen bedienen sich mittlerweile solcher Algorithmen. Nun sind diese „Filter“ grundsätzlich nichts Negatives, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Würde es den Facebook-Algorithmus nicht geben, bekäme ein durchschnittlicher Nutzer tausende Beiträge pro Tag in seinen Newsfeed eingespielt.

Leider ist es immer noch ein Irrglaube, dass wenn ich viele Fans habe, meine Beiträge auch eine hohe Reichweite erzielen. Quasi, ich scharre möglichst viele Menschen um mich und die sehen dann alles, was ich poste.

„Das wahre Gold in den Social Media ist aber Engagement und Interaktion.“

Das heißt, wenn ich es nicht schaffe, dass meine Fans mit meinen Beiträgen interagieren (liken, kommentieren und/oder teilen), dann bringt mir die Anzahl der Fans rein gar nichts. Oft haben sogar Seiten mit viel weniger, aber aktiven Fans die größere Reichweite.

2. Das Sammeln von Facebook-Freunden, um sie dann um ein „Like“ auf deiner Seite zu bitten, kann ein Schuss nach hinten sein

Ein kleines Beispiel: Wenn ich von einem eben „erworbenem Freund“ die Bitte um ein „Like“ auf seiner Seite erhalte – sagen wir, es dreht sich dort um Modellflugzeuge – dann werde ich diese Seite mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht mit „Gefällt mir“ markieren. Warum ist klar: Ich habe kein Modellflugzeug, ich plane nicht, mir eines zu kaufen und ich interessiere mich nicht für Modellflugzeuge. Selbst dann, wenn ich seine Seite „like“, würde er mangels Interesse meinerseits, keine Interaktion mit seinen Beiträgen erhalten.

Bei vielen inaktiven bzw. „gesammelten“ Fans, reagiert der Facebook-Algorithmus entsprechend:

Ergebnis 1: Facebook erkennt, dass bei den Beiträgen wenig Interaktion zu sehen ist und zieht den Schluss, dass die Beiträge für die Fans von geringem Interesse sind. Folge: die Reichweite sinkt. Unser „Freund“ kann sich also noch so bemühen, solange er seine Fans nur „gesammelt“ hat, wird sich dieser Zustand nicht bessern.

Ergebnis 2: Ich kenne mittlerweile viele Nutzer, die solche Anfragen a) nicht beantworten und b) den „neuen Freund“ so rasch wieder „entfreunden“, wie er gekommen ist.

Daher nochmal:

„Das wahre Gold in den Social Media ist Engagement und Interaktion.“

3. Nur wer es schafft, mit nützlichen Beiträgen die Fans zur Interaktion zu bringen, wird langfristigen Erfolg haben.

Wie das geht? Nun hier beginnt die Arbeit eines Social Media Verantwortlichen. Und hier beginnt die Zeit zu laufen.

Denn neben einer klaren Strategie, der Kenntnis der eigenen Zielgruppe sowie deren Wünschen, Sorgen und Bedürfnissen, sollte man folgende Fehler vermeiden:

  • Nicht aktiv genug sein
  • Social Media als klassischen Kommunikationskanal ansehen (wie TV, Radio und Print)
  • Zu viele Kanäle auf einmal „beschicken“
  • Sofort verkaufen wollen
  • Zu werblich agieren
  • Keinen Wert vermitteln (z.B. Wissen, Information, Spass, etc.)
  • Kein Engagement zeigen
  • Bild – Text – Video passen nicht zum Thema
  • Den Wert für das Geschäft nicht erkennen
  • Unregelmäßig posten
  • Keine Persönlichkeit zeigen
  • Fehlende Zeit für Social Media

Darüber hinaus hilft natürlich auch eine fokussierte Werbestrategie, denn in letzter Konsequent ist Facebook – neben Google – der mächtigste und interessanteste digitale Werbekanal.

Christian Schrofler

Christian Schrofler

Gründer & Inhaber von Realizing-Ideas | Digitalisierungsberater, Trainer, Online-Marketer